LDK

Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung

Anleitungen für die Anwendung

Die folgenden Anleitungen richten sich an Studierende und Lehrkräfte, die den LDK als Reflexionsinstrument nutzen möchten. Sie gelten sinngemäß auch für den Einsatz des LDK in der Forschung.

  1. Wählen Sie die Klasse oder die Klassen aus, von der bzw. denen Sie Rückmeldung haben möchten. Eine gute Möglichkeit ist es, die „einfachste“ und die „schwierigste“ Klasse zu befragen. Natürlich können Sie den LDK auch in allen Ihren Klassen einsetzen.

  2. Es gibt unterschiedliche Fragebogenversionen für die Primarstufe, die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II bzw. für weibliche und männliche Lehrkräfte (z.B. LDK-P-W, LDK-II-M …) sowie eigene Fragebögen für die Selbsteinschätzung durch die Lehrkraft (LDK-P-L, LDK-I&II-L). Näheres erfahren Sie in der Rubrik Versionen, wo Sie auch die Fragebögen downloaden können.

  3. Sie können auch eine andere Person, die Ihren Unterricht gut kennt (z.B. eine Mentorin oder einen Kollegen) um eine Einschätzung bitten. Die Einschätzung sollte dabei anhand der Hauptskalen aus dem Schülerfragebogen für die Sekundarstufe II (LDK-II-W oder LDK-II-M) erfolgen. Falls es sich um eine Primarstufenklasse handelt, wäre das Item 1 durch die Formulierung „Sie/Er kann sehr viel in ihren/seinen Fächern“ zu ersetzen. Bezüglich der Zusatzskalen müssten Sie selbst entscheiden, welche in Ihrem Fall sinnvoll verwendbar sind.

  4. Falls Sie in einer Klasse der Sekundarstufe I oder II mehrere Fächer unterrichten, dann sollen die Schüler/innen bei der Beantwortung nur an eines dieser Fächer denken - und zwar an jenes, das Sie ihnen vorgeben. Tragen Sie dieses Fach an die entsprechenden Stellen des Fragebogens ein, ehe Sie die Fragebögen ausdrucken. Eine fachspezifische Befragung ist auch mit der Primarstufenversion des LDK möglich. Falls Sie eine solche wünschen, müssten Sie mündlich darauf hinweisen oder den Einleitungssatz entsprechend ergänzen („... im Fach XY“).

  5. Erläutern Sie den Schüler/innen, was Sie beabsichtigen, zum Beispiel: "Ich möchte gern wissen, wie ihr den Unterricht in Geschichte erlebt: Wie ihr meinen Unterricht seht und wie ihr euer Verhalten in der Geschichte-Stunde einschätzt. Ich werde mir eure Antworten genau anschauen und überlegen, ob es etwas gibt, das wir künftig gemeinsam besser machen könnten.“ Falls Sie im Team-Teaching unterrichten, dann weisen Sie die Schüler/innen darauf hin, dass sie bei allen Fragen nur an Sie denken sollen, nicht an die zweite Lehrkraft.

  6. Erklären Sie den Schüler/innen, wie die Symbole (Tortendiagramme) im Fragebogen zu verstehen sind: Der leere Kreis ist anzukreuzen, wenn die Aussage „überhaupt nicht stimmt“, der volle Kreis, wenn sie „ganz genau stimmt“. Zumindest bei jüngeren Schüler/innen empfiehlt es sich, die Bearbeitung anhand eines Beispiels an der Tafel durchzugehen.

    Sie könnten dazu folgenden Beispielssatz verwenden: „Heute Morgen ist mir das Aufstehen schwer gefallen“. Lassen Sie einen Schüler sagen, welches Symbol er bei dieser Aussage ankreuzen würde und interpretieren Sie dann seine Antwort. Wenn er das zu Dreiviertel volle Symbol wählt, könnten Sie sagen: „Verstehe ich dich richtig: Du bist heute schwer aufgestanden, aber ganz so schlimm war’s auch nicht, denn es gibt Tage, an denen dir das Aufstehen noch viel schwerer fällt?“ Oder bei einem leeren Symbol: „Aha, du bist heute ganz leicht aufgestanden; du wolltest überhaupt nicht mehr im Bett bleiben, weil du schon ganz munter warst. Habe ich dich richtig verstanden?“ Jede andere für Sie und Ihre Schüler/innen passende Instruktion ist selbstverständlich genauso zulässig.

  7. In den unteren Klassen der Primarstufe sollten Sie den Kindern die Fragen Item für Item vorlesen. Manche Items aus den Zusatzskalen sind für jüngere Kinder nicht verständlich; lassen Sie diese Items gegebenenfalls aus.

  8. Sichern Sie den Schüler/innen Anonymität zu und gewährleisten Sie diese auch.

  9. Achten Sie darauf, dass jede/r Schüler/in alleine arbeitet.

  10. Sollte einem Schüler oder einer Schülerin ein Satz im Fragebogen unklar sein, soll er oder sie ihn auslassen. Falls Sie einzelne Schüler/innen in der Klasse haben, die nur sehr eingeschränkt oder gar nicht in der Lage sind, einen Fragebogen dieser Art zu bearbeiten (z.B. weil sie sehr schlecht Deutsch sprechen), ist eine Ersatzbeschäftigung während der Erhebungszeit vorzusehen. Eventuell können diese Schüler/innen auf andere Art Rückmeldung geben, z.B. indem sie eine für sie erfreuliche oder belastende Szene aus dem Unterricht zeichnen oder indem sie aufschreiben, was ihnen am Unterricht gefällt und was nicht.

  11. Während die Schüler/innen den Fragebogen ausfüllen (oder schon vorher zu Hause) bearbeiten Sie den passenden Lehrerfragebogen (LDK-P-L oder LDK-I&II-L).

  12. Tragen Sie die Angaben aus dem Lehrerfragebogen und aus den Schülerfragebogen in das Auswertungstool ein. Sie erhalten dann eine grafische Darstellung der Ergebnisse angezeigt, die Ihnen einen Vergleich Ihrer Sicht mit der Sicht der Schüler/innen ermöglicht.

  13. Berücksichtigen Sie bei der Interpretation, dass die Formulierungen im Schüler- und im Lehrerfragebogen nicht völlig identisch sind, was bei der einen oder anderen Frage zu Unterschieden führen könnte.

    Stärker wird jedoch ins Gewicht fallen, dass Lehrer/innen und Schüler/innen manchmal ein und dieselbe Situation recht unterschiedlich wahrnehmen – das zu entdecken ist aber gerade der Sinn von Schülerrückmeldungen. Zu beachten ist außerdem, dass die Mittelwerte der Schüler/innen-Einschätzungen schon allein aus statistischen Gründen eher zur Skalenmitte tendieren und ein Extremwert in der einen oder anderen Richtung daher praktisch kaum vorkommt (es müssten dann ja fast alle Schüler/innen diesen Extremwert ankreuzen). Unterschiede, die kleiner als eine Skalenstufe sind, können Sie vernachlässigen. Größere Abweichungen erhalten Sie automatisch angezeigt.

  14. Sie können aus der Grafik auch ersehen, ob sich die von Ihnen erhobenen Schülerrückmeldungen inner- oder außerhalb der Bandbreite bewegen, die üblicherweise für „erfolgreiche Lehrkräfte“ charakteristisch ist. Die Bedeutung eventueller Abweichungen müssen Sie selbst interpretieren: Abweichungen können durchaus wünschenswert sein (z.B. wenn die Schüler/innen Ihren Unterricht ganz außerordentlich interessant finden), sie können aber auch darauf hinweisen, dass Veränderungsbedarf besteht (z.B. wenn Schüler/innen die Verhaltensregeln unklar sind). Zu berücksichtigen ist immer auch das Umfeld, in dem Sie arbeiten (z.B. an einem Privatgymnasium mit besonders leistungsorientierten Schüler/innen oder an einer sozialen Brennpunktschule).

  15. Sie können sich zu jeder einzelnen Frage die Verteilung der Antworten anzeigen lassen. Wenn die Einschätzungen der Schüler/innen stark voneinander abweichen, werden Sie durch ein Signal auf diese Tatsache hingewiesen. Sie können dadurch z.B. entdecken, dass für einen Großteil der Klasse Ihre Erklärungen gut verständlich sind, für einen kleinere, aber durchaus relevante Minderheit jedoch nicht.

  16. Häufig möchten die Schüler/innen die Ergebnisse der Befragung erfahren. Im Allgemeinen wird es auch sinnvoll sein, ihnen diese mitzuteilen und mit ihnen darüber zu reden. Auch für Sie selbst kann dieses Gespräch sehr aufschlussreich sein, z.B. zur Klärung von Diskrepanzen zwischen Selbsteinschätzung und Schüler/innen-Einschätzung. Ein Tipp für den Fall, dass Sie dabei mit negativen Rückmeldungen konfrontiert werden: Vermeiden Sie es, sich zu rechtfertigen, und seien Sie auch mit Begründungen für Ihr Verhalten sparsam. Hören Sie eher aufmerksam zu und fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist.